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Mittwoch, 7. März 2012

Der 10 Km Lauf

Seid ihr schon mal im Wettkampf 10 km gelaufen? Wochenlang hat man vorher trainiert, die Muskeln sind locker und fluffig. Man fühlt sich kraftvoll und unschlagbar. Am Start die übliche Nervosität, der Startschuss - Peng! - und los geht es! Die ersten Kilometer laufen die Füße wie von alleine, der erste Adrenalinstoss ist verpufft, man findet seinen Rhythmus und läuft und läuft und läuft ... Ungefähr bei Kilometer 7 passiert es dann - die Beine werden etwas schwerer, irgendwie kann man die Schrittfrequenz nicht mehr halten, der innere Schweinehund zetert und man stellt sich diese unvermeidliche Frage: "Was um Himmelswillen mache ich hier eigentlich? Warum tue ich mir das an? Gibt es keine angenehmeren Beschäftigungen? Andere Leute haben Spaß wenn sie im Café sitzen - und ich? Ich quäle mich hier über 10000 m!" ... Entweder man besiegt den inneren Schweinehund oder das Rennen ist gelaufen!
Schon vor Jahren habe ich beschlossen keine Wettkämpfe mehr zu laufen, das brauche ich nicht mehr, mein Leben ist auch so spannend genug! 
Eben hatte ich genau das gleiche Gefühl wie bei Kilometer 7! - alle Vorbereitungen zum Quilten des Scrap Attack Quilts sind getroffen! Die Ränder sind angenäht, die Rückseite passt, die Füllung ist aus wunderbar weicher Baumwolle. Alles ist mit Sprühkleber geheftet geklebt, die Nähmaschine ist mit einer neuen Quiltnadel und gutem Quiltgarn präpariert. (Der Startschuss - Peng! - und los geht es!) Beim Quilten des ersten Quadrates quäle ich mich, der Stoff ist so unendlich schwer zu bewegen, die Nadel hopst hin und her, die Stichlänge ist nicht gleichmäßig...
Und da passiert es: Ich stelle mir die gleiche Frage wie beim Laufen: Was um Himmelswillen mache ich hier eigentlich??!! Ist es wirklich nötig so eine riesige Decke aus tausend Stoffteilen zusammen zunähen? (Zu spät! Sie liegt in voller Größe vor mir!) Quadrate hätten es auch getan - kleiner hätte auch gereicht - ich könnte doch wieder gerade Nähte quilten, das muss doch nicht Freihand sein....
STOP!
Nun reiß dich mal zusammen, rum geheult wird hier nicht! So schlimm ist das doch gar nicht. Wozu habe ich die ganze Zeit geübt? Der Freihand Quiltfuss war auch nicht gerade billig! Die Nadel geht Butter weich in den Stoff, die Maschine schnurrt ruhig. Das erste Quadrat sieht von hinten ganz manierlich aus, das zweite auch, keine Falten! Geht doch, also weiter.... Die Motivation kehrt zurück, ich finde wieder meinen Tritt. Das nächste Quadrat ist gequiltet, es geht weiter, es wird leichter, es macht Spaß! 
Das Rennen ist noch nicht vorbei, ein Sieg ist noch drin! Wir sehen uns im Ziel.

Kommentare:

  1. Super, dass Du das gemeistert hast!!!
    LG, Birgit

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  2. und hier noch ne Anfreuerung: FLLOOOHHH! weiter so, du schaffst das! Sehr gut beobachteter Vergleich, kenne ich....
    Happy day, Andrea

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  3. Toll beschrieben. Vielen Dank.

    Aber ich bin ehrlich gesagt eine von denen, die sowas nie machen würde, also weder Langstreckenlaufwettbewerbe (allein in der Natur schon mal 5 km) noch richtiges Quilten (kleine Patchworksachen als Resteverwertung schon). Aber ich freue mich für andere, die sowas machen und Spaß daran haben.

    Mach es Quadrat für Quadrat, schau nicht auf das Große Ganze. Du schaffst das, Schritt für Schritt!

    Liebe Grüße,
    Henriette

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  4. Hut ab.So eine große Decke hin und her zu schieben ist richtig anstrengend.Ich habe das ja schon öfter mit dem Free Motion Quilten bei großen Quilts gemacht.Ich quilte immer von innen in so einer Spirale nach außen und kann dir nur empfehlen den äußeren (40-50cm)Bereich nochmal nachzuheften/stecken da entstehen nähmlich meisten die Falten auf der Rückseite.L.G.Susanne

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  5. Wie peinlich,wer nämlich mit h schreibt ist d........!!!

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  6. Respekt, Respekt!
    Du SCHAFFST ES! Und das Ergebnis wird dich bestimmt immer und immer wieder glücklich machen ... so schön, dein Quilt!
    Liebe Grüße
    Anneliese

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  7. GO GO GO!!!
    Ich freu mich für Dich, denn der Quilt wird super!!!

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  8. Du bist echt tapfer!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    Und hinterher bist du gaaaanz stolz!
    Grüße von der Rennstrecke
    Karen

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  9. Oh ha, nichts von wegen "der Weg ist das Ziel".
    Aber, so wie ich dich kenne, wirst du dich durch die letzten Meter durchmotiviert bekommen.(oder verbergen sich gar Kilometer freihand gequiltete Nähte in so einem großen Quilt?)

    Du schafftst das, ich glaube an dich!

    LG
    Wiebke

    Ich habe gerade gegoogelt nach traditionellen Anfeuerungsrufen für Läufer, da gab es ne Menge netter Vorschläge:
    "Wo Schmerz ist, ist noch Leben!"
    "Der Schmerz vergeht, der Stolz bleibt!"
    "isnichmehrweit"

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    1. Haha. am besten finde ich "Isnichmehrweit" Habe ich auch schon oft gehört! Ansonsten hast du recht - gestern habe ich fast den ganzen Tag an der Maschine gesessen... ;)

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  10. Danke für euren Anfeuerungsrufe an der Strecke!! Sie helfen ungemein, der Schweinehund ist überwunden und ich nähe weiter, ich nähere mich der Zielgeraden ;)

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