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Sonntag, 5. Juni 2011

Zur Konfirmation

Gerade noch rechtzeitig bin ich fertig geworden! Soeben ist der letzte Faden des Signaturblocks vernäht.... 
Nun bekommt der Junge doch eine "Überdecke"! Und diese ist 142 x 204 cm groß geworden und passt somit vielleicht auch auf sein Bett. Ein extra Geldgeschenk wird er nicht bekommen, denn in dieser Decke stecken so viele Erinnerungen und emotionale Werte, die mit Geld nicht auf zu wiegen sind. Die Umrandung des Signaturblocks besteht aus Hemdenstoffen seines Vaters, Großvaters, Onkels und von seinem Cousin. Diese und noch ein paar andere Kleidungsstücke - auch von dem Konfirmanden - habe ich auf der Vorderseite verwendet.
Es wurden wieder Stimmen laut, das diese Decke doch lieber in unserem Haushalt bleiben sollte. Das denke ich nicht - ich habe sie extra für ihn genäht, dabei gingen auch meine Gedanken zu ihm, zu seinem Vater (meinem Bruder) und zu meinem Vater. Es ist also eine Decke nur für Jonas, die gehört zu ihm.
Die Zeit liess ein Handquilten nicht zu und so blieb ja nur noch die Maschine.... Ich war sehr nervös vorher, denn ich wollte es richtig schön Quilten. Ich hatte ein Vlies für die Füllung gekauft, das mir nicht optimal erschien. Aber auch da war die Zeit zu knapp noch etwas anderes zu besorgen. Das Vlies ist sehr dick und von der Oberflächenstruktur etwas fester als die flauschigen Füllungen aus einem Patchworkladen. Gleich bei der ersten Quiltnaht habe ich eine Falte eingenäht, obwohl ich alle Tips der erfahrenen Maschinen Quilter beherzigt habe. Rasch wieder aufgetrennt - darin bin ich ja schon geübt - und noch einmal. Das hat bis zur letzten Naht gut geklappt, dann gab es eine weitere Falte! Noch immer fluche ich beim Maschinenquilten und schwöre mir, das ich ab jetzt nur noch mit der Hand quilten werde. Es ist so anstrengend diese riesen Decke, trotz einrollen, Tisch gut positionieren usw. durch die Maschine zu wursteln. Das Endergebnis hat mich getröstet, plötzlich erschien alles nicht mehr so schlimm und natürlich werde ich wieder eine Decke mit der Maschine quilten.... Durch das dickere Vlies wirkt die Decke sehr plastisch, nicht flach - obwohl ich das eigentlich so wollte - ganz ungewohnt für ein Maschinen Quit.
Auch bei der Rückseite gab es kleinere Probleme. Leider schnitt die Dame bei Hüco nicht 3 m von dem von mir ausgesuchtem Stoff ab, sondern nur 1,5 m! Ich dachte ich hätte ein super Schnäppchen gemacht! Ein schöner Stoff, passend zum Quilt, 165 cm breit und sehr günstig! Leider ist mir das ganze erst zu hause aufgefallen und ich musste improvisieren. Zum Glück, denn die Rückseite ist jetzt viel schöner als geplant. 
Bei mir ist ein Quilt noch NIE so geworden wie ich ihn ursprünglich geplant habe. Entweder reicht ein Stoff nicht, die Farben passen doch nicht so zusammen wie geplant, das Vlies ist dicker als gewünscht usw. Letztendlich finde ich das aber schön, denn so entsteht alles ganz spontan und der fertige Quilt wird dann wie eine Überraschung. 

Kommentare:

  1. Hallo Floh!
    Die diagonalen Linien sind genau das Richtige für den Quilt...super! Und Du hast doch ein Stück Deines Lieblingsstoffes opfern müssen...sieht dafür aber besonders gut aus!
    {nach wie vor kann ich Dir leider nicht den ultimativen Tipp gegen Falten geben - ich hatte dieses Problem beim Quilten noch nie...höchstens beim Vorbereiten des Sandwichs, aber da hab ich es glücklicherweise noch bemerkt...}
    Ich bin schon gespannt auf die Reaktion des Beschenkten!
    Liebe Grüße,
    Julia

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  2. Floh,
    der Quilt ist wunder-wunder-bar geworden. Und besonders toll finde ich, dass du so viele Stoffe mit Erinnerungswert verwendet hast. Und trotzdem ist der Quilt absolut jung, modern und fröhlich (z.B. durch das Snowboard-Foto).

    Ich finde auch, dass der Quilt dann auch auf jeden Fall zu demjenigen kommen muss, an den man bei der Auswahl der Stoffe und Muster, beim Zuschneiden und Quilten gedacht hat. Auch wenn es schade ist, dass man solch ein Prachtstück dann hergeben muss. Aber wenigstens hast du die wunderbaren Fotos als Erinnerung.

    Und ich bin mir sicher, dass Jonas dieses Schmuckstück sehr zu schätzen weiß und er ihn lange begleiten wird. Ich liebe den Quilt, den meine Mama mir vor 20 Jahren gemacht hat immer noch heiß und innig. Er ist ständig in Gebrauch: zum Einwickeln, zum Draufliegen, zum Reinkuscheln, zum Höhlenbauen... und ein wundervolles Erinnerungsstück.

    Und bitte ärgere dich nicht über deine Näh-Herausforderungen. Kleine Fältchen mindern nicht den unbezahlbaren Wert dieses Geschenks.

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  3. Hallo Floh,
    das ist zweifelsohne ein ganz besonderes Geschenk und nur für den Fall, dass dein (wahrscheinlich 14-jähriger) Neffe ein langes Gesicht machen sollte, von wegen ...kein Geld und so...tröste dich, das wird noch.Von meinem Ältesten kenne ich das und plötzlich, als er über die 20 war, ließ er auf "seine Quilts" nichts mehr kommen ;-) Ich finde deinen Konfirmationsquilt wunderschön und all die kleinen Anekdoten drumherum, an denen du uns hast teilhaben lassen, sind der lebendige Beweis dafür, dass jeder Quilt eine Geschichte erzählt. Jonas wird sie alle lieben!!!
    GlG, Martina

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  4. Ach, er hat sich wirklich gefreut und saß bei 33 °C für 10 min eingewickelt darin im Garten rum. Für die Einladung für heute hat er Fotos verschickt, auf dem er vor der Kirche steht. Auf diesem Foto hat er die blaue Shorts an, die ich im Block mit der Tasche (in der Mitte) vernäht habe. Ich glaube ich habe ihm genau das richtige geschenkt. Danke für eure lieben Kommentare, darüber freue ich mich immer sehr!

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  5. Ich finde auch, dass er ganz toll geworden ist, jede Seite für sich sehr schön und anders. Und mit so viel eingenähten Erinnerungen. Ich bewundere Dich, dass du das alles so hinbekommen hast, zeitlich und arbeitsmäßig.Es ist schon von Vorteil, wenn man sich nur einer Sache widmet und nicht überall rumhüpft, wie ich das viel zu oft tu.
    Spannend ist, wenn durch die Umstände immer wieder neu durchdacht wird, aber das geht auch nur, weil die Zeit drängt. Du hättest bestimmt einen neuen Stoff für die Rückseite gekauft, wenn du noch einen Monat gehabt hättest,oder? Aber genau dadurch hast du so ein tolle Seite gemacht.
    Danke fürs Zeigen!
    Einen entspannten Start in die Woche!
    Karen

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  6. Ich sehe, du hast alles aus der Beratung vom sonntag umgesetzt! ;-) Die Rückseite ist so wirklich viel schöner als eine einfarbige, und falls der Beschenkte mal eine minimalistische Phase hat, kann er sie als Vorderseite nehmen. Die diagonalen Stepplinien passen auch sehr gut, und wenns beim Steppen insgesamt nur zweimal Falten gab, dann ist das doch schon ein großer Fortschritt. Und dass ich hier schon die Auflösung lesen kann, dass die Decke auch gut angekommen ist, freut mich besonders. Und Karen hat ja absolut recht - mit einem Monat mehr Zeit versucht man dann, alles möglchst "perfekt" zu machen, und das Spontane und Improvisierte geht dabei flöten.

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  7. Vor Eurer Beratung am Sonntag, hatte ich tatsächlich gedacht, das ich am Montag neuen Stoff kaufe. Wenn mehr Zeit gewesen wäre, hätte ich es sicher auch gemacht, da habt ihr recht. Zwei Falten finde ich auch sehr fortschrittlich. Ich ärgere mich beim Nähen nur, weil ich nicht verstehe, wie andere es ohne Falten schaffen. Sicherlich ist dabei viel Übung - ich muss noch geduldiger werden...... ;-)

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  8. Bei der Hitze gestern eingewickelt in diesen Quilt zu bleiben (dessen Haptik, d.h. besonders dessen Dicke man ja durch die Fotos nicht mitbekommt), das sagt wirklich mehr als tausend Dankesworte. Ich finde die Lösung mit der Rückseite auch besonders gut, weil so jeder Einrichtungsstil bedient wird. Der Streifen in der Mitte ist sehr stimmig. So eine Decke ist unbezahlbar, und zum Glück hast du sie gewidmet und signiert, das sollte man immer machen. Viel Glück dem Neffen für die Zukunft!
    Wegen der Falten: Nächstes Mal wird es dann nur eine Falte sein, und danach dann gar keine mehr - vom Prinzip des kontrollierten Faltennähens brauche ich also gar nicht erst anzufangen. Als Test bliebe ja noch, sich mal einen Quiltfuß, d.h. der mit der Feder, auszuleihen und zu schauen, ob es etwas ändert.

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  9. Nilya sagt: Bei deinem Text über Deine Gedanken an Deinen Bruder und Vater beim Nähen des Quilts habe ich Gänsehaut bekommen. Das ist dann mal ein sehr sehr persönlicher Quilt mit Herzblut.
    Eine tolle Idee, nur diagonale Streifen in eine Richtung zu quilten und keine Rauten draus zu machen. Ich kann mir vorstellen, wie er sich gefreut hat und Du dich erstmal!

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  10. Ja, an den Quiltfuss mit der Feder habe ich auch schon gedacht. Da muss ich wohl mal in den Nähmaschinen Laden fahren, dann könnte ich mir auch mal eine Overlock vorführen lassen ;-) - Die Rauten fand ich für diesen Quilt zu viel, die Diagnonalen lösen, finde ich, die quadratischen Blöcke etwas auf.

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  11. Ja, die Decke hat genau die richtige Dosis Sentimentalität und spontanes Arbeiten, das bietet im Nähbereich wohl nur die Quilterei.
    Da kann man kurz vor der Fertigstellung dann nochmal einen anderen Weg gehen, das Arbeiten bleibt dann bis zum Schluss spannend. Weil man wirklich nicht so genau weiß, was einen erwartet.

    Die Farben sind jungstauglich und die beiden wirklich verschiedenen uns sehenswerten Seiten machen es schwer zu entscheiden, was nun oben sein soll. Aber das kannst du ja dann den Besitzer entscheiden lassen- jeden Tag neu.

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  12. Ein wunderschöner Quilt - vorder und rückseitig. Sehr frisch, sehr brauchbar, sowohl für den Jungen als auch (theoretisch) für andere (mich).
    Mir gefallen auch deine Gedanken.
    Ich habe meinem Neffen im Mai Geld geschenkt plus eine Kino-Einladung.Viel habe ich darüber nachgegrübelt und geredet. Bei uns sind die Familienverhältnisse halt so wie sie sind.
    Ich hoffe, dein Beschenkter weiß dieses Geschenk zu würdigen, wenn nicht jetzt in allem Ausmaße so doch später ganz sicher.
    Herzlich
    Tally

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  13. Der Beschenkte hat sich sofort und riesig gefreut, und der Quilt ist seit der Konfirmation täglich in Benutzung :-)

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